Spielepädagogik

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Die Spielepädagogik wurde um das Jahr 1969 durch J. Piagets kognitive Spieletheorien bekannt. Spielepädagogik bedeutet, dass, vor allem Kinder, durch das Spielen neue Dinge dauerhaft erlernen, da sie es selten durch reines Zuhören und/ oder nachahmen nachhaltig lernen.

Heute weiß man, dass das Spiel so alt, wie die Menschheit ist. Wir spielten schon als Kinder und des Weiteren ist es in Grundzügen als Erwachsener immer noch wahrnehmbar.

Das Lernen ist aber dennoch nicht als bloße Wissensaneignung zu verstehen. Es geht vielmehr um ein „Aufeinandertreffen von Kindern und der Welt“ und um das Zurechtfinden in ihr. Der Vorteil der Spielepädagogik hierbei ist, dass die Kinder ganzheitlich gefördert werden. Die Kinder können somit ihre kognitiven, emotionalen, kreativen, sozialen, körperlich-motorischen und selbststeuernden Fähigkeiten entwickeln bzw. vertiefen.


Bundesarchiv Bild 183-87238-0002, Henningsleben, Kindergartenkinder im Spiel.jpg



Unterscheidung

Es gibt einige variierende Lernformen. Zwei davon sind die des „Arbeitslernens“ und die des „Lernens durch das Spiel“. Eine Gruppenstunde kann je nach gewählter Lernform einen unterschiedlichen Verlauf annehmen. Im Folgenden wird dies anhand des Beispiels „Beibringen des Palstek-Knotens“ erläutert.


Arbeitslernen

Alle Kinder setzen sich an einen Tisch. Die Gruppenleitung macht den Knoten vor und legt zwei Anleitungen auf den Tisch. Alle Kinder sollen nun ebenfalls die Knoten machen. Die Gruppenleitung hat hierbei eine helfend-unterstützende Funktion.


Bowline (PSF).jpg


Diese Form des Lernens führt auch zum Erlernen des Knotens, ist aber weniger effektiv und nachhaltig, da die Kinder das Erlernte recht schnell vergessen.



Lernen durch das Spiel

Die Gruppenleitung spielt mit den Kindern „Kettenfangen“. Die Kinderkette wird, beispielsweise, „Schlange“ genannt. Nach dem Spiel bleiben die Kinder als Schlange zusammen und müssen sich durch einen Reifen, die die „Teiche“ darstellen, schlängeln. Die „Schlange“ muss danach einmal unter sich hindurchkriechen, um dann durch den linken der drei Reifen (Teiche) sich hindurchschlängeln. Wichtig ist dabei, dass die Kinder sich nicht loslassen. Falls dies doch der Fall sein sollte, so muss die Gruppe einen erneuten Versuch starten. Nachdem dies geschafft ist, erklärt die Gruppenleitung den Konten anhand des Spieles und den eben verwendeten Wörtern „Teich“ und „Schlange“. Sie macht deutlich, dass die Kinder den Entstehungsweg des Knotens anhand ihrer Bewegungen als „Schlange“ bereits durchgespielt haben. Die Teiche sind die Schlaufen die in den einzelnen Kontenschritten entstehen.

Die Kinder haben so einen direkten Bezug zu dem Knoten bekommen. Auch hier ist eine beginnende Form Arbeitslernens vorhanden, dennoch fällt es vermutlich leichter das Gespielte auf den Konten zu übertragen.


Spielarten

  • Inhalte: Im Spiel kann etwas geübt werden. Beispiel: Mit Karte und Kompass einen Schatz in der Umgebung finden.
  • Ein Spiel kann etwas verdeutlichen und für etwas stehen. Beispiel: Den Entstehungsweg „Palstek-Knoten“ als Schnur/Schlange selbst miterlebt zu haben. Dies nennt man Symbolspiel.
  • Im Spiel kann der Umgang mit Regeln und deren Einhaltung geübt werden. Beispiel: In einer neuen Gruppe; Bei neuen Regeln.
  • Kennenlern-Spiel. Beispiel: Um eine neue Gruppe kennen zu lernen.


Spielverlauf

Vor dem Spielen

  • Eine Spielplanung kann nicht innerhalb von fünf Minuten gemacht werden und vor allem nicht kur vor der Gruppenstunde! Rechnet mit ca. 30 Minuten für die Spieleplanung. Merke: Viele Probleme ergeben sich erst, wenn man den Spieleablauf durchgeht.
  • Beim Planen wird beachtet: Das Spiel hat deutliche Spielregeln und einen klaren Rahmen (Anfang/Ende und Bereich, in dem gespielt wird). Die Regeln werden vor dem Spiel ausführlich (!) besprochen. Es sollte immer genügend Zeit für Nachfragen geben.Merke: Verstehen die Kinder das Spiel nicht richtig, werden sie keinen Spaß daran haben, sind verunsichert oder wollen nicht spielen.
  • Das Spiel sollte immer ein klar erkennbares Lernziel enthalten. Die Leitung sollte sich gut überlegen, was sie damit bewirken will und was die Kinder lernen bzw. erfahren sollen. Das Spielen strengt an! 90 Minuten spielen am Stück sind deutlich zu viel. Eine Gruppenstunde sollte nicht nur aus einem Spiel bestehen. Man sollte aktive und passive Spiele abwechseln und die Spannungskurve beachten.
  • Das Spiel sollte immer dem Alter angepasst sein. Fangspiele sind meist nur für Kinder spannend, Jugendliche sollten andere Formen des Spielens nutzen. Dies ist aber auch individuell von der Gruppe abhängig.
  • Spielematerial ist bereits einige Stunden vor der Gruppenstunde bereit zu stellen. Das Material kurz vor der Gruppenstunde zu beschaffen kann vielerlei Probleme auslösen. Ist es nicht möglich das Material zu organisieren oder ergibt sich ein unvorhergesehenes Problem, so kann es passieren, dass die gesamte Spielplanung aus dem Ruder läuft.
  • Bei komplexen Spielvorbereitungen können die Kinder mithelfen. Dies spart erheblich viel Zeit und die Kinder sind beschäftigt.
  • Es gibt immer eine Spielleitung, die darauf achtet, dass das Spiel reibungslos abläuft.


Im Spiel

  • Die Kinder sind dabei aktiv und agieren im Spiel. Langes Zuschauen bzw. Nichtstun sollte vermieden werden. Gerade für Spiele, bei denen Kinder ausscheiden können, ist es sinnvoll ihnen eine Aufgabe zu geben. Das kann vom Anfeuern bis zur Schiedsrichterposition reichen.
  • Spielen heißt Kommunizieren, Austauschen, Interagieren und Kompromisse eingehen. Konflikte und/oder Probleme sollten gleich gelöst werden.
  • Spielregeln sind während des Spiels wandelbar, auch durch die Kinder. Während der Regeländerung wäre eine Spielpause von Vorteil.
  • Ruhephasen sollten beachtet werden. Zu viele aktive Spiele sind erschöpfend. Auch „Ich sehe eine Farbe, die du nicht siehst…“ ist ein Spiel!
  • Die Gruppenleitung lehrt nicht im Spiel, sondern begleitet die Kinder beim Selbstlernen.
  • Ein Gruppenleiter kann auch mitspielen. Das kann das Spielen positiv beeinflussen. Die Kinder orientieren sich dann an der Leitung und sehen, wie man es richtig macht. Das kann gerade bei komplexen Spielregeln sinnvoll sein. Auch kann ein langweiliges Spiel schnell belebt werden. Es gibt aber auch einen Zeitpunkt, ab welchem man das Spielen wieder den Kindern überlassen sollte.
  • Gibt es große Probleme während des Spiels, so sollte man die Regeln in einer Spielpause verändern. Macht das Spiel den Kindern keinen Spaß oder entwickelt es sich negativ, dann kann das Spiel auch beendet werden.
  • Kinder sollten nur in extremen Situationen aus dem Spiel ausgeschlossen werden. Merke: Kinder testen ihre Grenzen aus. Es gehört auch zum Selbsterfahren dazu einen Fehler zu machen oder sich daneben zu benehmen. Zieht ein Kind ein anderes beim Fangen an den Haaren, so ist das eine Situation, die geklärt werden muss. Dies kann durch eine neue Regel geschehen. Ein Regelbruch könnte als Konsequenz einen Spielvorteil für das andere Team ergeben, aber kein komplettes Verbannen des betreffenden Kindes aus dem Spiel.
  • Es gibt immer eine Spielleitung, die darauf achtet, dass das Spiel reibungslos abläuft. Das heißt aber auch, dass man immer dabei sein sollte. Die Kinder unbeaufsichtigt spielen zu lassen um etwas anderes vorzubereiten kann auch rechtlich zu einem großen Problem werden.


Spielende

  • Es muss eine Reflexion mit der Gruppe stattfinden. „Was lief gut und was nicht? Gab es Probleme? Wenn ja, welche?“ Die Spielleitung ist dabei nur Moderator. Wenn man einen wichtigen Punkt hat, kann man ihn einbringen. Es sollte aber immer vermieden werden Kinder direkt auf einen Fehler anzusprechen (z.B. „David, das was du gemacht hast war echt Schrott!“). Probleme sollten allgemein verfasst werden und sich nicht auf Einzelne beziehen.
  • Das Spielende sollte dann gesetzt werden, wenn es „am schönsten“ ist. Selbst das schönste Fangen wird nach stundenlangem durchführen zur Qual, nicht nur aufgrund der Erschöpfung. Beendet man das Spiel, dann wenn es noch Spaß macht, bleibt dies in guter Erinnerung und kann ein anderes Mal wiederholt werden.
  • Bei Spielenden empfiehlt sich immer ein Ritual (zum Beispiel einen Sitzkreis) um auf eine neue Situation hinzuwirken.



Literatur

  • Döring, Sabine,Lernen durch Spielen. Spielpädagogische Perspektiven institutionellen Lernens. Weinheim: Beltz Verlag, 1 Auflage, 1997


Weblinks